Dienstag, 23. Dezember 2014

Talfahrt

Am vergangenen Abend ging es weiter abwärts. Und es gab Tränen - endlich. ...leider auch bei meiner Mutter. Nachdem ich ihr erzählte, dass ich beschlossen hatte, Weihnachten alleine bei mir zu bleiben, weil ich keine Lust auf Heuchelei hätte und sich meine Familie das ganze Jahr über kein Stück für mich interessiere und ich mir dort fremd vorkäme, brach sie in Tränen aus. Dann darf ich so etwas eben nicht mehr mit anderen Menschen teilen. Darüber hinaus habe ich von mehreren Seiten mitgeteilt bekommen unerwünscht zu sein. Dann passt mein Rückzug ja. Sehnsucht nach Frieden und Liebe macht sich breit. Fernweh meldet sich - nicht nach einem irdischen Ort, denn dort scheint es weder Frieden noch Liebe zu geben. Und ich neige zu Theatralik. Auch etwas, was viele nervt. Schluss für heute.

Montag, 22. Dezember 2014

Trübe Weihnachten

Zwei Tage vor "Heilig Abend" stehe ich auf dem Weihnachtsmarkt und möchte weinen, aber es will keine Träne kommen.

Was sich vor meinen Augen abspielt, ist nichts außergewöhnliches sondern völlig normal und alltäglich.
Stand neben Stand ordentlich aufgereiht stehen die Buden bunt geschmückt mit Tannengrün, Lichterketten und weiterer Dekoration, die gern mit der Weihnachtszeit assoziiert wird. Verschiedene zum Teil nützliche, zum Teil kurzweilige oder dekorative Artikel werden zum Verkauf angeboten. Dazwischen gibt es immer wieder Stände für das leibliche Wohl: Backfisch, Reibekuchen, Schupfnudeln und das übliche Zuckerzeug und natürlich Glühwein in allen Varianten.
Menschen laufen hin und her, alleine, zu zweit, als Pärchen, mit Kindern. Sie wirken getrieben, verunsichert, selten entspannt. Mehreren hundert Menschen begegnet jeder einzelne, nimmt sie flüchtig nur ganz kurz wahr und geht weiter. Für eine verbindliche Begegnung ist keine Zeit, zu sehr ist die Aufmerksamkeit darauf gerichtet sich selbst und seine Bedürfnisse wahrzunehmen.
Da bleibt auch keine Zeit sich Fragen um die unmittelbar umgebene, geschweige denn die Welt als Ganzes zu stellen.
Z.B. wie es den Menschen gehen mag, denen man begegnet. Gut, diese Frage ist vielleicht etwas aufwändig bei dieser großen Anzahl. Nehmen wir nur eine Person, z.B. den Mann an der Straßenecke, der die Straßenzeitung verkauft. Wie wird er Weihnachten feiern? Wo ist er, wenn alle Familien in trautem Beisammensein nach feierlichem Singen und Bescherung bei leckerem Gänsebraten beisammen sitzen? Wo bleibt die oft gepriesene kulturelle Offenheit und Integration an Weihnachten? Zum Zuckerfest beispielsweise werden gerne Fremde eingeladen.
Für den Mann an der Straßenecke wird übrigens gesorgt werden, wenn er es wünscht. Es gibt Anlaufstellen, wo Menschen sich an Weihnachten Zeit nehmen und sich dank Spendengelder um ihn und um viele andere kümmern können - und dort geht es zwar bescheiden aber feierlich und herzlich zu.
Wesentlich unbequemer, vielfach sogar vehement abgeleht wird die Frage, wie es der Gans, dem Fisch an Weihnachten geht. Oder den Erdbewohnern, die ihr Leben und ihre Haut für Schuhe, Taschen, Mäntel etc. lassen mussten, die Menschen gedankenlos anprobieren und wieder beiseite legen. In der Lebensgeschichte vieler Erdenbewohner taucht der Mensch leider sehr unangenehm auf. Für die tierischen Erdenbewohner finden sich mehr und mehr Menschen teils alleine, teils in Interessengemeinschaften zusammen um sich mehr oder weniger sinnvoll für erstere einzusetzen.
Absurd schließlich erscheint fast allen Menschen die Frage, wie sich ein Nadelbaum als Christbaum fühlen mag. "Gar nicht, denn er fühlt nicht" kommt es von allen Seiten, von denen, die den Mann an der Straßenecke versorgen wie auch von denen, die den Fisch, die Gans vom Teller erretten wollen. Und alle scheinen sie dabei zu vergessen, dass selbst der Nadelbaum ein lebendes Wesen, ein Erdenbewohner ist, der wachsen und gedeihen und ein würdevolles Leben verbringen möchte. Und hier zitiere ich gerne Albert Schweitzer: "Die Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben kennt keinen Unterschied zwischen wertvollerem und weniger wertvollem Leben. Wer von uns weiß, was das andere Leben an sich und in dem Weltganzen für eine Bedeutung hat? Dem wahrhaft ethischen Menschen ist alles Leben heilig."
Die Menschen gehen weiter, es wird schnell noch ein Geschenk für die Liebsten gekauft, ein Kleidungsstück, eine Schokolade... Die Näherinnen in Bangladesh, die Kühe im Massenstall und auch ich haben jetzt einfach mal die Fresse zu halten, denn es ist Heilig Abend, verdammt!

Es kommt immer noch keine...