Mittwoch, 31. Dezember 2008

Beim Italiener in Stuttgart

Nach der Weihnachtsfeier des Uni-Film e.V. Stuttgart am 16.12.2008, die sich bis spät in den Abend hinzog und bei der ich weit zu viel vom Raclette aß (ich verließ sie mit Magenschmerzen), fuhr ich mit einer der späten U-Bahnen zu mir nach Hause; allerdings war die meiner Wohnung am nächsten gelegene Haltestelle dieser Bahnlinie etwa 1000m von meiner Wohnung entfernt und ich musste laufen.
Vor mir ging ein kleingewachsener Herr Mitte 50, der offenbar die gleiche Idee hatte wie ich, nämlich an der Bushaltestelle auf halber Strecke nachzuschauen, ob in den nächsten Minuten ein günstiger Bus fuhr. Da er dort verweilte, holte ich ihn ein und sah meinerseits ebenfalls nach den Abfahrtszeiten, nur um festzustellen, dass kein Bus in den nächsten Minuten zu erwarten sei.
Er sprach mich an, nörgelte über die ungünstigen Buszeiten und freute sich offenbar, jemanden gefunden zu haben, mit dem zusammen er die nächsten paar 100 Meter gehen und dabei eine Unterhaltung führen konnte. Er stellte sich mir als Salvatore vor, als Italiener, und ich hatte nichts dagegen, mich mit ihm zu unterhalten, da ich dachte, nach meinem Sommerurlaub in Italien und meinen Versuchen, die italienische Sprache zu erlernen, könne ich meine Erfahrungen mit der italienischen Sprache und Kultur durch ihn etwas bereichern.
Wie kalt es doch sei, meinte er, und ich erwiderte, dass mein Weg nicht so weit sei. Daraufhin fragte er mich, ob ich alleine wohne und als ich dies verneinte, ihm aber sagte, dass meine Mitbewohnerin zur Zeit außer Haus sei, bot er mir unverwandt an, falls ich Zeit und Lust habe, bei ihm zuhause einen Kaffee zu trinken. Mir kam es etwas komisch vor, ich dachte aber, dass er als Italiener da vielleicht lockerer und offener ist und gern neue Kontakte knüpft. Weil ich ich mit meinem Magen zu kämpfen hatte, wollte ich eigentlich nur noch heim, andererseits dachte ich mir, ständig den verschlossenen Eigenbrötler, der alleine daheim hockt, zu spielen brauche ich auch nicht, und willigte schließlich ein.
Er wohnte in einem Zimmer in einer Mietskaserne, in einer Flurgemeinschaft teilte er sich mit anderen Parteien Waschraum, Toilette und Sammeldusche. Verschiedene Getränke bot er mir an, die ich ablehnte. Angesichts meiner Magensituation nahm ich lediglich ein kleines Gläschen Grappa in der Hoffnung, dadurch etwas Entspannung im Magen zu schaffen. Etwas mulmig wurde mir, als er mir anbot, bei ihm zu übernachten (wo ich doch sozusagen einen Block weiter wohne) und meinte, ich könne bei ihm auch duschen etc. Ich redete ihm solches sofort aus, auch wenn ich noch nichts Verruchtes vermutete, sondern immer noch glaubte, dass er als Italiener und als älterer Mensch einfach offener und weniger schamhaft sei als ich als "verklemmter Deutscher". Dies dachte ich auch, als er es sich bei sich zuhause in seinem Wohnzimmer bequemer machte und das eine oder andere Kleidungsstück ablegte, z.B. seine Hose. Da er mir erzählt hatte, dass er gern in die Sauna gehe, dachte ich mir nichts weiter dabei, war zwar nicht begeistert davon, aber ich dachte mir, was ist schon dabei, ein Mann wird vor einem anderen Mann ja nur wenig Scham haben, da sich die Frage nach erotischer und sexueller Anziehung überhaupt gar nicht stellt.
Als er sich dann schließlich zu mir setzte und sogar Körperkontakt suchte, war mir das doch zu viel, und gleich darauf sollte sich herausstellen, worauf er tatsächlich hinaus wollte und was ich vorher gar nicht glauben wollte. Er legte nämlich schließlich seine Hand auf meinen Oberschenkel und sagte in etwa sowas wie "komm, zeig mal Deine Schwanc". Ich versuchte, möglichst gelassen zu reagieren und ihm klarzumachen, dass ich daran keinerlei Interesse habe, dass ich eine Freundin habe und wirklich noch nie erotische Lust in Bezug auf Männer verspürt habe und auch nicht neugierig, es einmal auszuprobieren. Allein schon der Gedanke daran habe auf mich eine "sehr kalte" Wirkung.
Einen Grappa tranken wir noch zusammen, während er mir von seiner Arbeit auf dem Weihnachtsmarkt erzählte und mich dazu einlud, seinen Stand einmal besuchen zu kommen. Auch erwähnte er noch einmal, dass er gern in die Sauna gehe sowie gern Videokabinen besuche, wofür er mich durchaus auch einladen würde. Ich lehnte dankend ab und verabschiedete mich von ihm.
Als ich wieder auf der Straße war, konnte ich noch nicht ganz fassen, was denn die letzten Minuten passiert war. Ich beschloss, meine Freundin zu schockieren, indem ich ihr in einer SMS mitteilte, dass ich gerade eben dazu verführt worden sei, ihr fremdzugehen, obwohl ich annahm, dass sie wohl schon zu Bett gegangen sei. Und wie erwartet hatte ich wenige Sekunden später ihren Anruf auf dem Handy... :-)

Montag, 29. Dezember 2008

Selbsterkenntnis 2 - Biografisches

Am zweiten Weihnachtsfeiertag 2008 war Familientag. Wir waren mal wieder im größeren und gleichzeitig engeren familiären Kreis bei einer meiner Schwestern zum Abendessen eingeladen, meine Mutter, drei meiner Schwestern nebst dem Freund der einen und ich waren anwesend.
Bei diesem Abendessen entstanden einige Geschichten, und aus einigen Outings, Spekulationen und
mir bisher nicht bekannten Informationen ließ sich dies verblüffende wie haarsträubende Seemannsgarn spinnen:

Mein Vater ist Agent des Bundesnachrichtendienstes (BND). Er wurde dazu beordert, das Vertrauen meiner Mutter zu gewinnen und sie auszuspionieren, da sie wiederum das deutsche Kind eines russischen Spitzels ist. Ihr Vater nämlich wurde - als Flüchtling getarnt - über Yugoslawien nach Deutschland beordert, um hier Spionage zu betreiben. Er gab später an, aus der Ukraine zu stammen, doch ist zu vermuten, dass seine wirklichen Wurzeln irgendwo Richtung Kasachstan liegen. Er konnte seine Tochter bald für Russland und die russische Kultur begeistern, so dass sie eifrig diese Sprache erlernte und bis heute noch fast wie eine Muttersprache beherrscht.
Durch einen "Zufall" interessierte sich meine Mutter als junge Erwachsene auch noch für den Amateurfunk und ließ sich von Freunden eine riesige, hausgroße Antenne im Garten in einem abgelegenen Dorf aufstellen. So hatte sie die Möglichkeit, über den Eisernen Vorhang hinweg in den kommunistischen Osten zu kommunizieren, und zwar ziemlich ungehindert. Verständlich, dass da mein Vater - ein ausgesprochener Frauenschwarm - dazu beordert wurde, bei meiner Mutter nach dem Rechten zu sehen. "Zufällig" war er auch Funkamateur und lernte meine Mutter - ebenfalls "zufällig" - auf einem Amateurfunk-Treffen kennen. Dass die beiden sich näher kamen, war nicht schwer zu bewerkstelligen - doch das vollständige Vertrauen meiner Mutter gewann mein Vater schließlich durch das Zeugen eines Sohnes mit ihr. Er versprach ihr die Ehe, obwohl er bereits verheiratet war, und sie lag ihm zu Füßen und ließ ihn Einblicke in all ihre Funkelektronik erhalten.
Allerdings war der Vater meiner Mutter bereits so alt, dass er seine Kontakte in den Osten seit ein paar Jahren eingestellt hatte - vorher noch hatte er meine Mutter mit geheimen Botschaften, die er in den Träger ihrer Handtasche eingenäht hatte, nach Russland geschickt. Was er mit der großen Funkanlage zu tun hatte, ist nicht geklärt.
Als der Vater meiner Mutter schließlich ins Krankenhaus kam, verließ mein Vater meine Mutter wieder - nicht ohne sie vorher "aus guter Freundschaft" mit seinen eigenen (verwanzten?) Geräten zu versorgen. Er organisierte "freundlicherweise" ein Telefon für sie, eine Funkanlage für das Auto usw., so dass meine Mutter rund um die Uhr beobachtet und abgehört werden konnte.
Zwar heiratete meine Mutter neu, so dass sich mein Vater von ihr fernhalten musste, doch wenn es um die Elektronik ging, stand er gern hilfsbereit zur Verfügung. Auch schlich er bisweilen mit dem Auto durch unser Dorf, um nach dem Rechten zu sehen.
Die Leute vom BND mussten allerdings recht schnell festgestellt haben, dass bei meiner Mutter seit dem Tod ihres Vaters nicht mehr viel zu holen war. Mein Vater zog sich auch immer weiter zurück, meldete sich allerdings noch einmal deutlich bei ihr, als sie aus dem alten Haus mit der großen Antenne auszog und sich eine Wohnung suchte. Hilfsbereit, wie er schon immer war, installierte er ihr dort sowohl Internet als auch eine moderne Telefonanlage. Auch als sie sich ein neues Auto zulegte und das Funkgerät dort einbauen wollte, half er ihr. Als sie letztens erneut umzog, war er wieder zur Stelle, klinkte sich aber nach und nach mehr und mehr aus und hat nun keinen Kontakt mehr zu ihr - meine Mutter ist inzwischen halb gehbehindert, hat keine große Funkanlage mehr und pflegt auch ihre Kontakte zu Russland kaum mehr und wenn, dann übers Internet. Außerdem ist mein Vater inzwischen im Ruhestand.
Zu erwähnen bliebe noch, dass mein Vater sich zeitweise an zwei meiner Schwestern heftete (die nicht seine Töchter sind), als sie intensive Kontakte zur arabischen Welt, vor allem zu vermuteten Al-Qaida-Verbündeten, so genannten Schläfern und Schleußern pflegten, ohne dass sie wussten, in welchen Kreisen sie sich bewegten. Als sich jedoch auch ein Kollege vom CIA vor allem meiner älteren Schwester annahm und die Sachlage checkte, wurde meine Vater auch von dieser Sache wieder entbunden. Seit etwa zwei Jahren hört man nichts mehr von ihm. Er ist wohl endgültig im Ruhestand.

Dieser Post ist natürlich mit einem Augenzwinkern zu verstehen. Keiner weiß zu 100%, was sich
wirklich hinter dieser oder jener Geschichte verbirgt.

Montag, 15. Dezember 2008

Selbsterkenntnis 1 - Illusorisch-Traumhaftes und Realität

Freitag Abend erreichte mich eine E-Mail von meiner lieben Anni, die mir schwere Gedankenlast mit in den Schlaf gab. Sie möchte eine Entscheidung von mir, weil sie sich schon für mich entschieden hat. Dabei wissen wir doch beide, dass gerade ich mich lieber den Entscheidungen, vor allem solchen, entziehe, und stattdessen lieber Freiheit, besonders Freiheit von Verpflichtungen, suche.
Doch Annis Wunsch nach einer Entscheidung schien endgültig und setzte mich zum Einschlafen ein wenig unter Stress... Was sollte ich sagen, wie sollte ich es sagen, was soll ich tun?

Am nächsten Morgen schien alles wie weggefegt. Keine schweren Gedanken mehr, stattdessen die gewissermaßen greifbare Erkenntnis: Alles, worüber ich mir oft so schwere Gedanken mache, ist in erster Linie Illusion. Ich stelle mir ein Traum-Ich mit einem Traum-Leben in einer Traum-Welt vor, und um dieses aufrechtzuerhalten, versperre ich mich dem realen Leben. Doch was habe ich davon, außer eine Seifenblase, die an meinem Lebensabend schmerzlich platzen wird, wenn mir klar wird, dass ich mein Leben mehr geträumt als wirklich gelebt habe? Getreu dem Motto "lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach" stellte ich fest, dass die Entscheidung gar nicht schwer war, nachdem ich erkannt hatte, dass ich nur der bin, der ich bin, und nicht der, der ich gern wäre, und dass ich nur das Leben habe, das ich wirklich habe und nicht das, das ich gerne hätte. Ohne viel grübeln zu müssen konnte ich Anni meine Entscheidung mitteilen, worüber sie sich sehr freute.

Donnerstag, 11. Dezember 2008

Doppeltes Lächeln

Ich liebe ja die schönen, kleinen Details im Alltag so sehr, die wahrscheinlich vielen entgehen würden.

Gestern Abend
war ich unterwegs zu mir nach Hause mit dem vorletzten Bus und fand mir gegenübersitzend eine junge Frau, durchaus nicht hässlich, aber unter anderem durch ihre Brille und allgemein durch ihren Stil wirkte sie eher unscheinbar, nicht gerade auffallend. Sie unterhielt sich mit einem Freund, der neben ihr saß...

Als sie lächelte, bemerkte ich, was für umwerfend volle Lippen sie hatte! Und das besondere dabei war, dass zu ihrem Lächeln auf den Lippen noch ein zusätzliches Lächeln in den Mundwinkeln kam, gleichsam als würden diese auf den lächelnden Lippen ein Extra-Lächeln vollführen wollen, weil ihnen die Lippen nicht ausreichend lächelten. Ein faszinierender, schöner Anblick, von dem ich meine Blicke kaum abwenden konnte.

YS-Weekend im November

Ende November trampte ich für ein Wochenende nach Dornach bei Basel in der Schweiz, um an einem Treffen der anthroposophischen Jugendsektion am Goetheanum teilzunehmen. Ich begegnete dort alten Bekannten und lernte einige neue Menschen kennen, die teilweise in hohem Grade engagiert in internationalen Jugendprojekten, Workcamps und kulturellem Austausch sind. Eine erfrischende Begegnung für mich, die mich inspirierte, über die Wirtschaft und die Globalisierung und darüber, wie sie gleichzeitig Gefahr und Chance für den Menschen sind, zu schreiben.

Darüber wie auch über meine bisweilen recht abenteuerlichen Tramptouren wird es hier bald einiges zu lesen geben.

Versuch einer Einführung

Selten habe ich früher Tagebuch geschrieben, weil ich selten mein alltägliches Erleben für niederschreibenswert hielt. Immerhin habe ich als Jugendlicher bisweilen knapp notiert, wenn ich mich verliebt fühlte und mich dabei, weil ich einige neugierige Schwestern habe, einer selbst erfundenen Geheimschrift bedient.
Das Tagebuchschreiben hielt allerdings nicht lange, oft hatte ich Lücken von mehreren Wochen und Monaten und schließlich hatte ich es ganz aufgegeben.

Nein, ich habe hier mit diesem Blog nicht vor, an jene Tagebuchexperimente anzuknüpfen. Ich hoffe nur, dass ich bei diesem Projekt länger dranbleibe und, auch wenn keine täglichen Updates geplant sind und auch kein wirkliches Tagebuch, mit einer gewissen Regelmäßigkeit Beiträge liefern kann.

Über den Rahmen, den "roten Faden" und die Struktur des Inhaltes dieses Blogs bin ich mir noch nicht im Klaren. Gewiss ist bei mir ein grundsätzliches Mitteilungsbedürfnis vorhanden, allerdings kritisiere ich teilweise die nichtssagende Daily-Soap-Blogkultur, die das Internet mit wenig wertvoller Information verstopft und möchte mich in diesem Sinne doch eher etwas zurückhalten. Manche Themen, die mir vorschweben, möchte ich fast in einem separaten, themenbezogenen Blog behandeln, während dieser Blog hier mehr ein Sammelbecken ohne wirkliche Ordnung sein kann.

Meinen Lesern, sofern es denn welche gibt, wünsche ich, dass sie hier den "Fensterblick" bekommen, den sie wünschen. Gern bin ich bereit, auf darüber hinaus reichende Fragen einzugehen.