Am zweiten Weihnachtsfeiertag 2008 war Familientag. Wir waren mal wieder im größeren und gleichzeitig engeren familiären Kreis bei einer meiner Schwestern zum Abendessen eingeladen, meine Mutter, drei meiner Schwestern nebst dem Freund der einen und ich waren anwesend.
Bei diesem Abendessen entstanden einige Geschichten, und aus einigen Outings, Spekulationen und mir bisher nicht bekannten Informationen ließ sich dies verblüffende wie haarsträubende Seemannsgarn spinnen:
Mein Vater ist Agent des Bundesnachrichtendienstes (BND). Er wurde dazu beordert, das Vertrauen meiner Mutter zu gewinnen und sie auszuspionieren, da sie wiederum das deutsche Kind eines russischen Spitzels ist. Ihr Vater nämlich wurde - als Flüchtling getarnt - über Yugoslawien nach Deutschland beordert, um hier Spionage zu betreiben. Er gab später an, aus der Ukraine zu stammen, doch ist zu vermuten, dass seine wirklichen Wurzeln irgendwo Richtung Kasachstan liegen. Er konnte seine Tochter bald für Russland und die russische Kultur begeistern, so dass sie eifrig diese Sprache erlernte und bis heute noch fast wie eine Muttersprache beherrscht.
Durch einen "Zufall" interessierte sich meine Mutter als junge Erwachsene auch noch für den Amateurfunk und ließ sich von Freunden eine riesige, hausgroße Antenne im Garten in einem abgelegenen Dorf aufstellen. So hatte sie die Möglichkeit, über den Eisernen Vorhang hinweg in den kommunistischen Osten zu kommunizieren, und zwar ziemlich ungehindert. Verständlich, dass da mein Vater - ein ausgesprochener Frauenschwarm - dazu beordert wurde, bei meiner Mutter nach dem Rechten zu sehen. "Zufällig" war er auch Funkamateur und lernte meine Mutter - ebenfalls "zufällig" - auf einem Amateurfunk-Treffen kennen. Dass die beiden sich näher kamen, war nicht schwer zu bewerkstelligen - doch das vollständige Vertrauen meiner Mutter gewann mein Vater schließlich durch das Zeugen eines Sohnes mit ihr. Er versprach ihr die Ehe, obwohl er bereits verheiratet war, und sie lag ihm zu Füßen und ließ ihn Einblicke in all ihre Funkelektronik erhalten.
Allerdings war der Vater meiner Mutter bereits so alt, dass er seine Kontakte in den Osten seit ein paar Jahren eingestellt hatte - vorher noch hatte er meine Mutter mit geheimen Botschaften, die er in den Träger ihrer Handtasche eingenäht hatte, nach Russland geschickt. Was er mit der großen Funkanlage zu tun hatte, ist nicht geklärt.
Als der Vater meiner Mutter schließlich ins Krankenhaus kam, verließ mein Vater meine Mutter wieder - nicht ohne sie vorher "aus guter Freundschaft" mit seinen eigenen (verwanzten?) Geräten zu versorgen. Er organisierte "freundlicherweise" ein Telefon für sie, eine Funkanlage für das Auto usw., so dass meine Mutter rund um die Uhr beobachtet und abgehört werden konnte.
Zwar heiratete meine Mutter neu, so dass sich mein Vater von ihr fernhalten musste, doch wenn es um die Elektronik ging, stand er gern hilfsbereit zur Verfügung. Auch schlich er bisweilen mit dem Auto durch unser Dorf, um nach dem Rechten zu sehen.
Die Leute vom BND mussten allerdings recht schnell festgestellt haben, dass bei meiner Mutter seit dem Tod ihres Vaters nicht mehr viel zu holen war. Mein Vater zog sich auch immer weiter zurück, meldete sich allerdings noch einmal deutlich bei ihr, als sie aus dem alten Haus mit der großen Antenne auszog und sich eine Wohnung suchte. Hilfsbereit, wie er schon immer war, installierte er ihr dort sowohl Internet als auch eine moderne Telefonanlage. Auch als sie sich ein neues Auto zulegte und das Funkgerät dort einbauen wollte, half er ihr. Als sie letztens erneut umzog, war er wieder zur Stelle, klinkte sich aber nach und nach mehr und mehr aus und hat nun keinen Kontakt mehr zu ihr - meine Mutter ist inzwischen halb gehbehindert, hat keine große Funkanlage mehr und pflegt auch ihre Kontakte zu Russland kaum mehr und wenn, dann übers Internet. Außerdem ist mein Vater inzwischen im Ruhestand.
Zu erwähnen bliebe noch, dass mein Vater sich zeitweise an zwei meiner Schwestern heftete (die nicht seine Töchter sind), als sie intensive Kontakte zur arabischen Welt, vor allem zu vermuteten Al-Qaida-Verbündeten, so genannten Schläfern und Schleußern pflegten, ohne dass sie wussten, in welchen Kreisen sie sich bewegten. Als sich jedoch auch ein Kollege vom CIA vor allem meiner älteren Schwester annahm und die Sachlage checkte, wurde meine Vater auch von dieser Sache wieder entbunden. Seit etwa zwei Jahren hört man nichts mehr von ihm. Er ist wohl endgültig im Ruhestand.
Dieser Post ist natürlich mit einem Augenzwinkern zu verstehen. Keiner weiß zu 100%, was sich wirklich hinter dieser oder jener Geschichte verbirgt.
Montag, 29. Dezember 2008
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