Nach der Weihnachtsfeier des Uni-Film e.V. Stuttgart am 16.12.2008, die sich bis spät in den Abend hinzog und bei der ich weit zu viel vom Raclette aß (ich verließ sie mit Magenschmerzen), fuhr ich mit einer der späten U-Bahnen zu mir nach Hause; allerdings war die meiner Wohnung am nächsten gelegene Haltestelle dieser Bahnlinie etwa 1000m von meiner Wohnung entfernt und ich musste laufen.
Vor mir ging ein kleingewachsener Herr Mitte 50, der offenbar die gleiche Idee hatte wie ich, nämlich an der Bushaltestelle auf halber Strecke nachzuschauen, ob in den nächsten Minuten ein günstiger Bus fuhr. Da er dort verweilte, holte ich ihn ein und sah meinerseits ebenfalls nach den Abfahrtszeiten, nur um festzustellen, dass kein Bus in den nächsten Minuten zu erwarten sei.
Er sprach mich an, nörgelte über die ungünstigen Buszeiten und freute sich offenbar, jemanden gefunden zu haben, mit dem zusammen er die nächsten paar 100 Meter gehen und dabei eine Unterhaltung führen konnte. Er stellte sich mir als Salvatore vor, als Italiener, und ich hatte nichts dagegen, mich mit ihm zu unterhalten, da ich dachte, nach meinem Sommerurlaub in Italien und meinen Versuchen, die italienische Sprache zu erlernen, könne ich meine Erfahrungen mit der italienischen Sprache und Kultur durch ihn etwas bereichern.
Wie kalt es doch sei, meinte er, und ich erwiderte, dass mein Weg nicht so weit sei. Daraufhin fragte er mich, ob ich alleine wohne und als ich dies verneinte, ihm aber sagte, dass meine Mitbewohnerin zur Zeit außer Haus sei, bot er mir unverwandt an, falls ich Zeit und Lust habe, bei ihm zuhause einen Kaffee zu trinken. Mir kam es etwas komisch vor, ich dachte aber, dass er als Italiener da vielleicht lockerer und offener ist und gern neue Kontakte knüpft. Weil ich ich mit meinem Magen zu kämpfen hatte, wollte ich eigentlich nur noch heim, andererseits dachte ich mir, ständig den verschlossenen Eigenbrötler, der alleine daheim hockt, zu spielen brauche ich auch nicht, und willigte schließlich ein.
Er wohnte in einem Zimmer in einer Mietskaserne, in einer Flurgemeinschaft teilte er sich mit anderen Parteien Waschraum, Toilette und Sammeldusche. Verschiedene Getränke bot er mir an, die ich ablehnte. Angesichts meiner Magensituation nahm ich lediglich ein kleines Gläschen Grappa in der Hoffnung, dadurch etwas Entspannung im Magen zu schaffen. Etwas mulmig wurde mir, als er mir anbot, bei ihm zu übernachten (wo ich doch sozusagen einen Block weiter wohne) und meinte, ich könne bei ihm auch duschen etc. Ich redete ihm solches sofort aus, auch wenn ich noch nichts Verruchtes vermutete, sondern immer noch glaubte, dass er als Italiener und als älterer Mensch einfach offener und weniger schamhaft sei als ich als "verklemmter Deutscher". Dies dachte ich auch, als er es sich bei sich zuhause in seinem Wohnzimmer bequemer machte und das eine oder andere Kleidungsstück ablegte, z.B. seine Hose. Da er mir erzählt hatte, dass er gern in die Sauna gehe, dachte ich mir nichts weiter dabei, war zwar nicht begeistert davon, aber ich dachte mir, was ist schon dabei, ein Mann wird vor einem anderen Mann ja nur wenig Scham haben, da sich die Frage nach erotischer und sexueller Anziehung überhaupt gar nicht stellt.
Als er sich dann schließlich zu mir setzte und sogar Körperkontakt suchte, war mir das doch zu viel, und gleich darauf sollte sich herausstellen, worauf er tatsächlich hinaus wollte und was ich vorher gar nicht glauben wollte. Er legte nämlich schließlich seine Hand auf meinen Oberschenkel und sagte in etwa sowas wie "komm, zeig mal Deine Schwanc". Ich versuchte, möglichst gelassen zu reagieren und ihm klarzumachen, dass ich daran keinerlei Interesse habe, dass ich eine Freundin habe und wirklich noch nie erotische Lust in Bezug auf Männer verspürt habe und auch nicht neugierig, es einmal auszuprobieren. Allein schon der Gedanke daran habe auf mich eine "sehr kalte" Wirkung.
Einen Grappa tranken wir noch zusammen, während er mir von seiner Arbeit auf dem Weihnachtsmarkt erzählte und mich dazu einlud, seinen Stand einmal besuchen zu kommen. Auch erwähnte er noch einmal, dass er gern in die Sauna gehe sowie gern Videokabinen besuche, wofür er mich durchaus auch einladen würde. Ich lehnte dankend ab und verabschiedete mich von ihm.
Als ich wieder auf der Straße war, konnte ich noch nicht ganz fassen, was denn die letzten Minuten passiert war. Ich beschloss, meine Freundin zu schockieren, indem ich ihr in einer SMS mitteilte, dass ich gerade eben dazu verführt worden sei, ihr fremdzugehen, obwohl ich annahm, dass sie wohl schon zu Bett gegangen sei. Und wie erwartet hatte ich wenige Sekunden später ihren Anruf auf dem Handy... :-)
Mittwoch, 31. Dezember 2008
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