Mit Sack und Pack verließen wir unseren freundlichen Gastgeber und machten uns auf ins Zentrum. Wir wollten zwar ins Colosseum, doch mit Koffer wäre das sehr unpraktisch, wenn nicht sogar unmöglich gewesen. Wo also das Gepäck zwischenlagern? Im Bahnhof gab es Schließfächer, doch die kosteten pro Gepäckstück mindestens 5 Euro, was wir nicht akzeptabel fanden. Uns kam aber eine gute Idee, die wir sogleich umzusetzen versuchten: Unser Archäologiepass gewährte uns neben Forum etc. Zugang zu einigen Museen, die wir allerdings für wenig interessant hielten. Wir fanden direkt neben dem Termini ein solches Museum 'Nazionale' mit irgendwas wie Massimo im Namen. Mit allem Gepäck kreuzten wir dort auf und fragten, ob wir es mit unserer Karte besuchen und dabei unser Gepäck an der Garderobe lassen könnten. Nachdem uns das zugesichert und unser Gepäck durchleuchtet worden war, gingen wir alibimäßig durch die Ausstellungsräume - sie zeigten irgendwelche Plastiken und Köpfe, die uns nicht sonderlich interessierten - um das Museum recht bald ohne unser Gepäck wieder zu verlassen. Neugierig wie wir waren, schauten wir noch die Ausstellungsräume einer weiteren Etage an, sie zeigten Münzen verschiedenster Prägungen und Jahrhunderte der Römerzeit sowie kunst- und stilvollen Schmuck des Altertums, reiche Schätze, wovon wir ziemlich angetan waren und noch die anderen Ausstellungsebenen besuchten, die mit wundervollen, beeindruckend detailgenauen und farbenprächtigen Fresken und Mosaiken der Römer ausgestattet waren. Zuletzt blieben wir tatsächlich anderthalb Stunden im Museum, das wir jederzeit anderen Besuchern der Ewigen Stadt empfehlen möchten, und stahlen uns schließlich ohne Gepäck davon, um bei strahlendem Sonnenschein ins Colosseum zu gehen. Wie wir dort ankamen, zogen vom Horizont Wolken auf, die so schnell unterwegs waren, dass wir annehmen mussten, der Colosseumsbesuch würde für uns nass werden. Kurzerhand verschoben wir ihn auf den nächsten Tag, um stattdessen die Crypta Balbi, ein weiteres Museum des Archäologiepasses, zu besuchen - durch das Massimo-Museum waren wir sozusagen auf den Geschmack gekommen. In der Crypta erwarteten uns Ausstellungsstücke aus verschiedenen Epochen, sowohl von den Römern als aus der Zeit des Mittelalters - Münzen, Krüge, Gebäudeteile etc., am beeindruckendsten war eine begehbare Ausgrabungsstätte des ursprünglichen Straßen- und Gebäudeniveaus aus römischer Zeit mit Latrinen etc. sowie auf Tafeln sehr anschaulich dargestellte Situationen der Stadtentwicklung aus den verschiedenen Jahrhunderten. Nach den Museumsbesuchen holten wir wieder unser Gepäck, gingen einkaufen und suchten und fanden ein schönes, preiswertes Hostel, in das wir für zwei Nächte eincheckten. Aus unseren Einkäufen kochten und aßen wir auf abenteuerliche Weise Spaghetti alla Arabiata con Mozarella nur mit einem Soßenglas, einem Pappteller, einer Mikrowelle, einem Messer und einem kleinen Löffel - wir wussten nicht, dass es dort kein Geschirr gab. Mit einem netten mexikanischen Pärchen teilten wir das Zimmer und schliefen bald ruhig ein.
Am nächsten Morgen machten wir uns zuallererst auf zum Colosseum. Sonnenschein gab es zwar leider nicht, aber immerhin auch keinen Regen. Was soll man sagen, dieser Bau ist einfach beeindruckend. Danach hatten wir vor, den Domus Aurea zu besichtigen, auf den wir durch eine Videopräsentation im Colosseum neugierig geworden waren, dann wollten wir erneut Abenteuernudeln kochen und danach zu den Domitianthermen, doch zuallererst wollten wir kurz noch einen Couchsurfer treffen, der in einem Protestcamp zeltete und uns einen Zeltschlafplatz angeboten hatte, den wir aber dankend ablehnten. Aus 'kurz' wurde der ganze Nachmittag, er zeigte uns günstige Pizza-Pasta-Lokalitäten (Pizzarito, Pastarito) und wir fanden nach einiger Suche auch schließlich eine heiße Schokolade für 2,50 Euro statt für 6,- Euro, was bisweilen deren Preis sein konnte, und nahmen sie, uns mit ihm unterhaltend, am Pantheon ein. Zugegeben war sie lecker und erinnerte an geschmolzene Schokolade, so dickflüssig war sie. Von unseren Nachmittagsvorhaben konnten wir nur noch die Nudeln realisieren, danach fuhren wir abends noch zur Pyramide und wieder zurück zum Hostel, wo wir inzwischen weitere Zimmergesellschaft bekommen hatten: ein Pärchen aus Kamerun, wovon die Frau jedoch später das Hostel wieder verließ. Früher als am Tag zuvor ging es ins Bett.
Übrigens, gute Neuigkeiten: Obwohl wir um 10.00 Uhr auschecken müssen, ist es für uns möglich, ohne Aufpreis bis Mitternacht unser Gepäck im Hostel zu lassen...
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