Am Abend zuvor konnten wir online für einen wesentlich günstigeren Preis in unserem vorherigen Hostel einchecken sowie den Flughafentransfer mit Preisnachlass buchen. Wir hatten dann morgens ein umfangreiches Frühstück mit unserem sehr freundlichen Gastgeber, von dem wir uns schließlich herzlich verabschiedeten. Wir hatten nicht besonders viel vor und dachten uns, auf eine Anhöhe südlich des Vatikans zu fahren, um von dort aus die herrliche Aussicht über die Stadt zu genießen. Anschließend wollten wir ins letzte, auf unserer Archäologiecard fehlende Museum Altemps gehen, mussten aber feststellen, dass es montags geschlossen ist; für Dienstag war unsere Karte nicht mehr gültig. Die andere Option, nämlich ins Domus Aurea zu gehen, verwarfen wir, weil wir uns nicht viel von versprachen. Von Nero einst als herrlicher Palast erbaut, hatten seine Nachfolger bereits bald nach des Tyrannen Tod vieles davon zerstört. Wir spazierten also im Vatikan umher, sahen seltsam gekleidete Uniformierte aus vergangenen Jahrhunderten und nahmen wahr, dass auf dem Petersplatz und auch sonst überall dort nur wenige Besucher unterwegs waren, was uns für den darauffolgenden Tag Hoffnung machte, nicht lange in der Schlange stehen zu müssen. Nachmittags gingen wir zum inzwischen dritten Mal zu Pizzarito, um die von allen drei Besuchen leckerste und am schönsten garnierte Capricciosa Strapizza zu essen. Für den Abend schlenderten wir noch über die Via del Corso, auf der Suche nach einem Schnäppchen, das wir aber nicht in zufriedenstellender Form fanden. Später am Abend machten wir uns auf die Suche nach der Gelateria Fassi, angeblich die älteste der Stadt, nur um festzustellen, dass sie montags geschlossen ist, beschlossen aber, am nächsten Tag wiederzukommen. Wir gingen also unverrichteter Dinge ins Hostel zurück und hatten eine friedliche Nacht, diesmal in einem anderen Zimmer, das wir mit einem Tunesier, der in Turin studierte und hier in der Stadt für ein französisches Theater arbeitete, und einem weiteren Gast, der nach Mitternacht kam und am nächsten Tag wieder abreiste, teilten.
Am nächsten Morgen machten wir uns auf zum Vatikan, um die Museen und den Dom zu besichtigen. Vor dem Museum, wo sich normalerweise Menschenmassen in mehreren Hundert Metern in einer Reihe vor dem Eintritt versammeln und mehrere Stunden Wartezeit auf sich nehmen, befanden sich wenige verlorene Menschen, so dass wir zunächst ein Frühstückpicknick einnahmen. Gestärkt betraten wir nun die Museen, für die uns irrtümlicherweise zu unseren Gunsten zweimal nur der reduzierte Eintrittspreis berechnet wurde. Die Sammlungen in den Vatikanischen Museen sind wahrlich beeindruckend! Ich würde behaupten, ein Besuch dort kann Besuche in verschiedenen anderen Museen ersetzen und wäre demnach insgesamt finanziell günstiger. Wir nahmen uns also mehrere Stunden Zeit, um möglichst alle Ausstellungsräume und ihre Exponate, die aus allen Erdteilen und Epochen bis zur heutigen Zeit stammten, die Sixtinische Kapelle eingeschlossen, auf uns wirken zu lassen. Gewiss war nicht alles dort nach unserem Geschmack, aber Menge und Vielfalt sowie die Länge des Rundgangs waren enorm, überwältigend. Hier hätte ich mir bisweilen doch einen kompetenten Museumsführer oder zumindest einen ausführlichen Audioguide gewünscht, so viele Fragen haben sich mir während des Besuchs der Museums und erst recht des Petersdoms aufgetan. Allerdings fühlte ich mich in letzterem, oft auf Schildern als 'Heiliger Ort' bezeichneten Kolossalgebäude recht unbehaglich. Ohne besonders gläubigen, katholischen Menschen zu nahe treten zu wollen mit meinen folgenden Worten: Die blutige Geschichte der katholischen Kirche, ihre Dogmen, die sie zum Teil noch heute bewahrt, die ungeheuerliche Anmaßung eines Menschen, vor allem in heutiger aufgeklärter Zeit zu behaupten, einziger 'Vertreter Gottes auf Erden' zu sein, all das gibt mir das Gefühl, an einem unheiligen, sündigen Ort, von göttlichen Welten eher weiter entfernt als ihnen näher zu sein. Trotzdem war der Besuch im Petersdom auch in positivem Sinne beeindruckend für mich. Den restlichen Tag ließen wir stressfrei ausklingen, hatten bei Fassi ein wirklich hervorragend leckeres Eis und im Anschluss von gegenüber jeder ein großes Suppli - Numerus und Genus sind hier reine Vermutung - und zogen uns am noch relativ frühen Abend aufs Hostelzimmer zurück, wo es mir nach einigem Probieren schließlich gelang, mein Handy zu reaktivieren. In Zweisamkeit ließen wir den Tag ausklingen. Am nächsten Tag würden wir vor dem Abflug nur noch wenige kleinere Vorhaben haben...
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